Jede Produktion beginnt mit dem Werk selbst: mit der Partitur, dem Libretto und den ihm zugrunde liegenden dramatischen Intentionen. Vor der Übersetzung bestimmen wir die gespielte Fassung, untersuchen die musikalische Struktur und erfassen die besonderen Anforderungen der Inszenierung. Striche, Wiederholungen, Änderungen der Fassung und szenische Entscheidungen: all das nimmt Einfluss darauf, was das Publikum lesen muss, und in welchem Moment.
Für Übertitel zu übersetzen bedeutet nicht, eine Sprache durch eine andere zu ersetzen. Der Text muss knapp genug sein, um während der Aufführung gelesen zu werden, zugleich muss er Ton, Sinn und dramatische Energie des Originals bewahren. Eine komische Stelle muss witzig bleiben, ein intimes Geständnis intim, ein plötzlicher Gedankenwechsel muss sofort erkennbar sein. Wo eine Entscheidung getroffen werden muss, gibt die Musik den Ausschlag.
Jedes Projekt wird Linguisten anvertraut, die mit der Oper und, wo immer möglich, mit dem betreffenden Komponisten, der Epoche und der Sprache vertraut sind. Die Fassungen werden besprochen, überarbeitet und abgestimmt, so dass eine mehrsprachige Produktion in jeder ihrer Versionen stimmig bleibt.