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Über Richard

Ein Leben zwischen Sprache und Musik.

Richard Néel ist Übersetzer und Spezialist für Opernübertitelung. Seit über dreißig Jahren ermöglicht seine Arbeit dem Publikum, das Bühnengeschehen in dem Augenblick zu erleben, in dem die Musik es lebendig werden lässt.

Richard Néel im Palais Garnier

Biografie

Zuerst kamen die Sprachen, Musik und Theater verliehen ihnen ihren Sinn.

Wie bei vielen jungen Menschen seiner Generation gehören Gesang und Klavier ganz selbstverständlich zu Richards Schulfächern in England. Anschließend studiert er Französisch und Russisch an der Universität Oxford. Am Merton College ist er zudem organisatorischer Leiter des Kodály Choir: eine erste Begegnung zwischen Sprachen, Musik und Organisation, die sein späteres Berufsleben prägen werden.

Eine Spur in der Familie

Die französische Sprache gehörte bereits vor Richard zur Familiengeschichte.

Richards Großvater väterlicherseits, Henri Charles Néel (1889–1957), ging seinerzeit aus Frankreich in die Vereinigten Staaten. Dort lehrte er an mehreren renommierten amerikanischen Universitäten. Noch heute besitzt Richard ein Exemplar der unter dem Namen H. C. Néel veröffentlichten French Anthology. Eine Generation später überquert Richard selbst nicht den Atlantik, sondern den Ärmelkanal: von England nach Frankreich.

French Anthology von Henri Charles Néel
French Anthology von H. C. Néel – Richards Exemplar
Merton College und seine Kapelle vom Merton Field aus gesehen
Merton College, OxfordFoto: Julian Herzog · CC BY 4.0

Von den 1980er Jahren bis heute

Von Oxford
an die Pariser Oper

Richard lebt und arbeitet zwei Jahre lang in Crema, unweit von Cremona, der Stadt Antonio Stradivaris. Anschließend zieht er von Italien nach Frankreich. Dort gründet er 1986 INCA Langues, eine Sprachschule für große Unternehmenskunden, insbesondere aus dem Bankwesen und der Haute Couture. Hier entsteht die Verbindung von Unterricht, Übersetzung und der Leitung eines wachsenden Unternehmens.

1991, kurz nach der Eröffnung der Opéra Bastille, überträgt ihm die Leitung der Pariser Oper die Verantwortung für die Übertitelung in ihren beiden Häusern. Dieses noch junge Arbeitsfeld wird zum Mittelpunkt seines Berufslebens.

Damals wurden die Übertitel noch in große Maschinen hinter der Bühne eingegeben und mit Geräten projiziert, die Stunden vor der Vorstellung auf Betriebstemperatur gebracht werden mussten. Richard hat über die Jahre verschiedene technische Generationen begleitet, ohne dabei das wesentliche Ziel aus den Augen zu verlieren: Das Publikum soll das Werk verstehen können, ohne abgelenkt zu werden.

Die Opéra Bastille und die Julisäule in Paris
Opéra BastilleFoto: Marie Thérèse Hébert & Jean Robert Thibault · CC BY-SA 2.0
Die Hauptfassade des Palais Garnier in Paris
Palais GarnierFoto: Peter Rivera · CC BY 2.0

In Europa und auf dem Bildschirm

Während der gesamten Entwicklung hat Richard stets eine besonders enge Beziehung zur Pariser Oper bewahrt. Seit mehr als drei Jahrzehnten steht diese Zusammenarbeit im Zentrum seiner Arbeit. Zugleich ist sein Unternehmen für weitere Opernhäuser, Festivals, Sender und digitale Plattformen in ganz Europa tätig.

Seit Beginn der 2000er Jahre entwickelt sich seine Tätigkeit über das Theater hinaus: ins Fernsehen und später auch ins Internet. Projekte für Arte, Mezzo, medici.tv und France Télévisions machen Aufführungen weit über den Ort der Vorstellung hinaus zugänglich, häufig in mehreren Sprachen.

Die Untertitelung für den Bildschirm bedarf anderer Rhythmen und anderer Kompromisse: Hier muss der Text der Musik ebenso folgen wie der Bildregie. Genauigkeit, Klarheit und musikalisches Urteilsvermögen bleiben wesentliche Anforderungen.

Heute arbeitet Richard mit einem sehr erfahrenen internationalen Team auf Oper spezialisierter Sprachfachleute: einer Gruppe von rund zwölf festen oder regelmäßigen Mitarbeitenden. Sie alle verbinden sprachliche Genauigkeit, Repertoirekenntnis und Gespür für die praktischen Anforderungen der Aufführung.

Richard Néel im Palais Garnier
Palais Garnier, Paris

In der Presse

„Eine gute Übertitelung ist eine, die man nicht wahrnimmt.“

Richard Néel, zitiert von Louise Morfouace in La Lettre du Musicien, Juni 2023

Ein individuell geprägtes Handwerk

Die Technik wandelt sich.
Das musikalische Urteilsvermögen bleibt dem Menschen vorbehalten.

Richards Ansatz beruht auf Zurückhaltung: verdichten, ohne zu verflachen; den Charakter des Originals bewahren; eine Sprache finden, die dem Werk dient, ohne darüber hinauszugehen. Der Übertitelinspizient, der die Aufführung verfolgt und auf sie reagiert, bleibt immer ein Musiker.